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Testament


(Abschrift)
No. 409 Test. Rep.
Eröffnet am 30/9. 01 gez. Dannhausen
Geschehen Rinteln am siebten März 1884.
Gegenw.: Amtsgerichtsrath Baist u. Amtsgerichtsbeamter Hartmann.
Erscheint vor hiesigem Amtsgerichte:
Der Leineweber ######## von Kleinenwieden mit der Erklärung seinen letzten Willen errichten zu wollen.
Testator war wie eine mit demselben angeknüpfte Unterredung ergab bei gesundem Geiste.
Nachdem man sodann alle zu dem bevorstehenden Geschäfte nicht gehörigen Personen aus dem Zimmer entfernt und Vorsorge getroffen hatte, daß niemand zuhören könne, erklärte Testator von Person und es dispositionsfähig bekannt im Sitzungszimmer vorgezeichneten Gerichtspersonen Folgendes:
Ich heiße ######## bin Leineweber Nr. ## von Kleinenwieden ## Jahre alt.
Als meinen letzten Willen bestimme ich Folgendes:
§ 1
Zu meinen Erben setze ich ein:
    1. meine zweite Ehefrau ########
    2. meine acht Kinder nämlich:
a) meine aus erster Ehe mit ######## gezeugten Kinder:
    1. ######## dermalen zu Känichagen
    2. ######## verheirathet an den Glasmacher ######## zu     Obernkirchen
b) meine mit meiner jetzigen Ehefrau ######## gezeugten Kinder als:
    1. ########
    2. ########
   3
. ########
    4. ########
    5. ########
    6. ########
zu Kleinenwieden.
§ 2
Mein Sohn ######## soll mein gesammtes Grundeigenthum erhalten jedoch erst nach vollendetem 24 Lebensjahr desselbern, bis dahin soll meiner Ehefrau die Verwaltung und Nutznießung des Vermögens haben, ohne jedoch zu Landtiresleistung verpflichtet zu sein. Dagegen hat mein Sohn auch die gesamten auf dem Grundvermögen fallenden Schulden zu übernehmen.
Meinen Mobiliar= Nachlaß mit dem vorhandenen barem Gelde soll meine Ehefrau erhalten, dagegen aber auch verpflichtet sein, diejenigen meine Schulden zu bezahlen die nicht auf dem Grundeigenthum haften. Was bei dem Ableben meiner Ehefrau von dem Mobiliarvermögen noch vorhanden ist, soll an meine sämtlichen Kinder oder im Falle des Todes des einer oder anderen an dessen gesetzliche Erben gleichmäßig fallen.
§ 3
Sobald mein Sohn ######## das Lebensjahr zurückgelegt haben wird, soll er zahlen als Abfindung an meine Tochter ######## Einhundert Mark und an jedes seiner übrigen Geschwister Einhundertfünfzig Mark.
Meine Tochter ######## soll deshalb weniger bekommen als ihre anderen Geschwister, weil sie bei ihrer Verheirathung von mir bereits eine Ausstattung erhalten hat.
Mein Sohn ######## sodann er das Grundvermögen antritt meiner Ehefrau lebenslänglich folgende Leibzucht gewähren:
a) Die linke Hälfte des Wohnhauses auch Bodenmauer, welches derselbe in Bau und Besserung zu erhalten hat.
b) Die Hälfte des Kellers.
c) Die Hälfte von sämtlichem Obst.
d) Die Mitbenutzung der Küche.
e) Die Mitbenutzung des Backofens und Brunnens.
f) einen Schweine= und Ziegenstall.
g) Unbeschränkte Mitbenutzung des Hofraumes zum Holz lagern, Miststätte und das Recht Federvieh zu halten.
h) Die obere Hälfte des Gartens auf den Aeckern.
i) Die Hälfte der Wiese im Bruche.
k) Die Hälfte von dem Lande im Bruche.
§ 4
Sollte mein Sohn ######## vor vollendeten 24 Lebensjahre versterben so substituire ich ihm meinen Sohn ########. Dieser soll die Colonie erst antreten wenn er das 24te Lebensjahr zurückgelegt hat.
§ 5
Stirbt eines meiner Kinder ohne Kinder zu hinterlassen vor dem zurückgelegten 24ten Lebensjahre meines Sohnes ######## oder im Falle dessen früheren Todes im Falle dessen zurückgelegten 24ten Lebensjahres meines Sohnes ########, so erlischt die Forderung desselben auf Abfindung.
Es ist dies mein letzter und freie Entscheidung hervorgegangener Wille, sollte derselbe nicht als förmliches Testament zu Recht bestehen können, so ordne ich an, daß er als Cordicils= Schenkung auf den Todesfall oder in jeder sonstigen rechtsgültigen Form unrecht erhalten werde.
Nachdem Testator diese Erklärung in einem Zuge und Zusammenhang durch kein fremdes Geschäftunternehmen, fortwährend vor den Gerichtspersonen und bei gesundem Geiste abgegeben hatte, wurde ihm dies Protokoll langsam und deutlich vorgelesen, von ihm genehmigt u. von ihm sowie von den Gerichtspersonen unterschrieben wie folgt:

Schließlich erklärte Testator noch, daß seine Kinder 1te Ehe selbstverständlich dasjenige Vermögen erhalten sollten was ihnen ihre erste Mutter hinterlassen hätte, jedoch sollten sie sich hiermit dasjenige anrechnen lassen, was für sie davon bereits aufgewendet, namentlich das was für seinen Sohn ######## für Heilung dessen Augenkrankheit aufgewendet sei, sowie daß dasjenige seiner Kinder, welches diesen seinen letzten Willen nicht anerkennen, ausdrücklich auf den Pflichttheil gesetzt sein solle.
vorgelesen: geneh.: u. unterschr.
########

Zur Beglaubigung: Hartmann
Ausgefertigt: Baist

Ärztliches Attest.
Der Stellmacher ######## aus Kleinenwieden b. Rinteln ist in seiner Jugend verschiedentlich in meiner ärztlichen Behandlung gewesen, wegen heftiger Augenentzündung (Keretit. Chronic.) beider Augen.
Im Jahre 1864 war dieselbe, wie ich aus meinen Journal-Notizen ersehe, so heftig, daß ein längerer Aufenthalt in meiner Klinik erforderlich war.
Die Residuen sind in etwelchen Maßen noch sichtbar.
Solches bescheinigt hiermit auf Verlangen.
Hannover, d. 25 Januar 1874.
(Siegel) Dr. Vogelsang

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