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Kleinenwieden

Kleinenwieden Das Dorf hat im 18.Jahrhundert nur 8 Hofstellen, die Vollmeierhöfe Nr.1, 2, 3 und 4, den Großkötnerhof Nr.5, den Kleinkötnerhof Nr.6 und die Brinksitzerstellen Nr.7 und 8. Die Dorflage ist ursprünglich einzeilig: von Südosten nach Nordwesten reihen sich zwischen Dorfstraße und Weser der Vollmeierhof Nr.2, der eingeengt liegende Großkötnerhof Nr.5, die Vollmeierhöfe Nr.3, 4 und 1 und der Kleinkötnerhof Nr.6. Vor Nr.1 hat sich die Brinksitzerstelle Nr.8 in die breite Dorfstraße eingeschoben, gegenüber von Nr.3 die Brinksitzerstelle Nr.7. Mit ihrer Ansetzung wird die Dorflage zweizeilig.
In der Flur Auf den Äckern wiederholt sich von Westen her viermal die Höfefolge 2, 4, 3, ein Beweis dafür, daß Hof Nr.5 nachgesiedelt und randlich mit Land ausgestattet wurde. Nr.6 ist eine noch jüngere Gründung. Gegenüber der Höfereihe breitet sich die dorfnahe Kernflur aus. Sie besteht aus zwei scharf getrennten Teilen. Nördlich vom Hof Nr.1 dehnt sich die diesem Hofe zugehörige "Dorfbreite", die einschließlich aus ihr herausgeschnittener vier Äcker und Gärten, die anderen Höfen zufielen, rd.32 Acker Kasseler Maßes mißt und einer Hufe, d.h. einer vollen Ackernahrung früherer Jahrhunderte, entspricht. Von ihr durch die "Bruchrehre" getrennt, breitet sich die Flur "Auf den Äckern" aus, 54 1/2 Acker oder rd. 50 Morgen groß. Sie ist überwiegend regelmäßig aufgeteilt auf die Höfe Nr.2, 3 und 4, und zwar stets in der Reihenfolge 2, 4, 3, die sich in der treppenförmigen Anordnung der einzelnen Stücke viermal wiederholt.

Nach Westen schließen sich ein schmaler Streifen des Hofes Nr.3, ein doppelt breiter des Hofes Nr.6 und ein dreifacher Streifen des Hofes Nr.5 an. Der Hof Nr.2 hat hier 14 3/8 Acker, der Hof Nr.3 17 Acker, der Hof Nr.4 13 3/8 Acker. Der Doppelstreifen von Nr.6 (2 3/8 Acker) liegt vor dem einfachen Streifen von Nr.3 (1/4 Acker). Eine Abgabe eines einfachen Streifens durch die Höfe Nr.2 und 4 an den nachgesiedelten Hof Nr.6 würde hier die alte Reihenfolge 2, 4, 3 wiederherstellen und die Anteile der drei Vollhöfe in Höhe einer halben Hufe annähernd angleichen; dabei ist zu berücksichtigen, daß Nr.3 als letzter Hof im Osten seine Parzelle Karte Nr.33 leicht von rd. 4 auf 5 Acker erweitert haben kann, ehe die weitere Rodung in der Reihenfolge 4, 3, 2 einsetzte.
Bleibt das Randstück von Hof Nr.5 an der Bruchrehre. Der Hof ist sonst an der Flur "Auf den Äckern" nicht beteiligt. Er rodet erst in den nächsten Erweiterungen der Feldmark randlich mit. Es liegt nahe, bei seiner Erstausstattung an eine Abgabe je eines Streifens durch die Höfe Nr.2, 3 und 4 zu denken. Die rd.8 Acker des Randstückes entsprechen drei Doppelstreifen der abgebenden Höfe.

Damit ist festgestellt, daß die Höfe Nr.2, 3 und 4 gleichalt sind und daß Hof Nr.5, eingeschoben zwischen Nr.2 und 3, jünger ist. Offen bleibt die Frage, ob der Hof von Nr.2 oder von Nr.3 abgeteilt wurde. Vermutlich war Nr.3 der abgebende Hof. Dann ist aber auch zu vermuten, daß zu Beginn der Ansetzung der Höfereihe Nr.2, 3 und 4, der Hof Nr.4 vom Hofe Nr.1 aus abgeteilt und mit dessen Anteilen an der neuen Flur "Auf den Äckern" ausgestattet wurde. Der Hof Nr.1 behielt ohnehin seine volle Ackernahrung, doppelt so hoch wie die der neuen Höfe, auf der "Dorfbreite".
Zu erwähnen bleibt die merkwürdige Versetzung der Gartenstreifen hinter den Höfen der älteren Dorfanlage. Der Garten von Nr.2 schiebt sich hinter Nr.5, der Garten von Nr.5 hinter Nr.3, der Garten von Nr.3 hinter Nr.4, der Garten von Nr.4 hinter Nr.1. Deutet sich hier auf der Flurkarte des 18. Jahrhunderts noch ein älteres Ufer der Weser an? Zwischen den Gärten und dem späteren Weserverlauf fiel das Anflußland; insgesamt mehr als 20 Morgen Baumhof, Land und Wiese, dem Hofe Nr.1, dem zweifellos ältesten des Dorfes zu.

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